Paul Putzar
Grafikdesigner, Munich
MINI × Huoliquankai
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Wer sich durch Münchens Nachtleben tanzt, kennt die Arbeiten von . Der 25-jährige Grafikdesigner, der mit drei Partnern das Designstudio „“ führt, hat bereits das Artwork für die Clubreihe „Autonomica“ und das „Organic Dance Music Festival“, beides renommierte Feier-Institutionen der Stadt, gestaltet. Paul ist der ideale Partner, um uns die kreative Seite Münchens zu zeigen und deshalb fahren wir mit ihm in seinem MINI einen Tag lang zu den Plätzen, an denen er sich inspirieren lässt.

Pauls Lieblingsorte in München

In der Isarmetropole gibt es Prachtboulevards wie die Maximilian- und Leopoldstraße, aber auch verwinkelte Straßenzüge in traditionellen Stadtvierteln wie dem begehrten Lehel. Weil dort wenig Platz ist, kurvt man am besten wie Paul im MINI durch die Straßen. Gemeinsam erkunden wir die besten Orte der Isarmetropole: Von seiner Agentur im kreativen Untergiesing über sein retro-lässiges Lieblings-Café-Restaurant in der angesagten Maxvorstadt bis zum chilligen See am Stadtrand lässt er uns in seine facettenreiche Welt eintauchen.

 

Pauls Wohnung im Lehel

Wir treffen Paul am Morgen in seiner gemütlichen Wohnung im Lehel. Hier lebt er mit seiner Freundin Anne. Bei einem Latte Macchiato am Küchentisch erzählt uns Paul, wie er nach München kam.

Paul, bist Du gebürtiger Münchner?

Ja. Ich bin in einem Krankenhaus ganz in der Nähe meiner jetzigen Wohnung geboren. Als ich fünf Jahre war, sind wir nach Schondorf am Ammersee gezogen. Mit 18 wollte ich wieder unbedingt nach München zurück.

Und wieso bist Du Deiner Heimatstadt treu geblieben?

München hat von allem etwas. Auch die Clubszene hat sich entwickelt, auch wenn da noch Potenzial nach oben ist.

Du wohnst jetzt im Lehel. Was gefällt Dir dort?

Ich mag an diesem Viertel, dass es ein Dorf ist. Highlife auf der Straße kannst Du hier vergessen. Mein Job ist hektisch genug. 10 Telefonate und 25 Mails am Tag sind normal. Da ist es gut, einen Ruhepol zu haben. Das sind für mich die Wohnung und meine Freundin Anne. Deshalb wohne ich seit fünf Jahren hier. Was auch ideal ist: Wir sind schnell im Grünen, entweder im Englischen Garten oder an der Isar. In die Agentur brauche ich nur zehn Minuten mit dem Fahrrad und der Weg dahin ist ein Traum.

Agentur Astral

Paul hat nicht zu viel versprochen: Wir genießen die idyllische Fahrt in die Agentur. Entlang der Isar durch die Natur zu fahren, ist perfekt vor einem Arbeitstag am Computer. Mit dem MINI brauchten wir nur ein paar Minuten nach Untergiesing. Die Gegend ist mittlerweile nicht nur zum Wohnen und wegen des Szenetreffs „“ extrem beliebt, sondern auch ein kreativer Hotspots Münchens. Grafikdesigner wie und schicken von hier ihre Designs um die ganze Welt. Kein Wunder, die Innenstadt ist nah und die Isarauen zum Relaxen liegen direkt vor der Haustür. Im Hinterhof eines großzügigen Altbaus verbirgt sich der Eingang zu , der Agentur, bei der Paul einer der vier Partner ist. Dunkles Holzparkett, hohe Räume, riesige Fenster und das Beste: Von seinem Bürostuhl hat er einen herrlichen Blick ins Grüne. Ideal, um die Gedanken schweifen zu lassen und uns von seiner Leidenschaft für seine Arbeit zu erzählen.

 

Was genau macht Ihr bei Astral? 

Wir kümmern uns für große Unternehmen um den Digitalbereich, also um Apps und Webseiten, wie zum Beispiel den Bereich Motor- und Golfsport von BMW, machen aber auch Branding für kleine Labels und Firmen.

Hast Du schon immer gewusst, dass Du Grafikdesigner werden willst?

igentlich galt meine Begeisterung erst dem Programmieren. Das habe ich schon mit 11, 12 Jahren mit vollem Drive gemacht. Dann wurde mir immer wichtiger, dass meine Webseiten gut aussehen und ich fing an, mich mit Design zu befassen. Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter bei der Multimedia-Agenturen Phase 4 habe ich mich mit 21 selbständig gemacht. Mit meinen Phase 4-Ex-Kolleggen Johannes Auffermann, Hagen Fiedler und Malte Bender gründeten wir dann im Mai 2013 Astral. Auf meinem Platz saß früher übrigens Christian Hundertmark, der heute das Grafikdesign-Studio betreibt. Er war einer meiner Mentoren, von dem ich wahnsinnig viel gelernt habe.

An den Wänden Deines Büros hängen großartige Plakate von Dir. Welche magst Du besonders gern?

Die Plakate für „Autonomica“ natürlich. Das ist eine Veranstaltungsreihe aus München mit internationalen DJs. Zu den Raves im Sommer kommen 4000 bis 5000 Besucher. Dafür habe ich in den letzten Jahren an die 30 Plakate entworfen. Das war für mich eine großartige experimentelle Spielwiese. Aber auch meine Plakatserien für das „Kong“ sind mir sehr ans Herz gewachsen. Weil beide Projekte ausgelaufen sind, habe ich mich mehr auf Musikartworks gestürzt. Kürzlich habe ich ein Vinylcover für das neu gegründete Münchner Label „Losless“ entworfen. Momentan arbeite ich am Artwork für mehrere Bands, von denen man bald mehr hören wird.

Gibt es ein Plattencover, das Dir besonders wichtig ist?

Die Gestaltung des Covers von „Kompass ohne Norden“, das letzte Album von . Wir sind ja mittlerweile sehr gute Freunde. Neulich waren Anne und ich auf seiner Hochzeit. Er hat ja sein eigenes Label gegründet, für das ich das komplette Erscheinungsbild entwerfe. Ich stehe ihm sehr gern als visueller Ratgeber zur Seite.

Welches Cover der Musikgeschichte hättest Du gern entworfen?

Eindeutig „Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd. Das war nicht nur für die damalige Zeit eine Wahnsinnsgrafik, die ist zeitlos.

Was hat Euch mit Astral nach Untergiesing gezogen?

Die Gegend ist einfach perfekt für uns. Wenn wir im Sommer stundenlang vor den Rechnern gesessen sind, springen wir mal kurz in die Isar oder setzen uns auf ein Radler auf die Stufen am Fluss. Oder spielen eine Runde Frisbee oder Fußball. Wir sind viel draußen. Die Lebensqualität hier ist enorm. Außerdem ist unser Viertel schon ein Ballungszentrum von Agenturen. Mirko Borsche ist in der Nähe. Oder mein Kumpel Alexis Zurflüh. Bei dem schaue ich gern zum Weißwurstfrühstück oder Chili vorbei.

Waldmeisterei

Wenn Paul mal ein bisschen mehr Zeit zum Essen hat, fährt er mittags in die , sein liebster Ort für ein entspanntes Lunch mit Freunden. Wir machen uns also mit dem MINI auf den Weg in eine der belebtesten Ecken der Maxvorstadt, in der viele Studenten unterwegs sind: die Barer Straße. Nur wenige Meter vom legendären Schelling-Salon entfernt haben Freunde von Paul vor kurzem dieses Café-Restaurant im Retro-Design eröffnet. Auf der Eingangstür glänzt der goldene Schriftzug „Waldmeisterei – Feinkost und Bewirtung“, klar, ein Design von Paul.

 

Besitzerin Kristina Pawelski begrüßt ihn mit „Servus“ und einer Umarmung. Zum Lunch wartet schon Pauls „Gang“, alle bekannte Gesichter des Nachtlebens der Stadt: Damir Stabek und Branimir Peco etwa, die Gründer der Registratur, ein mittlerweile verblichener Club, von dem heute noch alle Ausgehfreudigen schwärmen. Beide organisieren jetzt das „“, Konzerte und Corporate-Veranstaltungen wie die . Peco hat auch die Finger beim „Kong“ im Spiel, zusammen mit Sandra Forster und Jisho Lang. Daneben sitzt Mathias Schober, der als DJ Show-B (Compost Records) auflegt und als Booker hinter „“ steckt, einem neuen Veranstaltungsort mit Club, Restaurant und Kunst in einem ehemaligen Heizkraftwerk.  Sein Pitbullterrier Ana döst unterm Tisch.

Paul, was magst Du an der Waldmeisterei?

Natürlich die stilvolle Einrichtung aus Holz. Die selbstgezimmerte Theke ist der Hammer. Das Essen ist wahnsinnig lecker. Am liebsten gehe ich samstags zum Frühstück her. Das kann ich jedem ans Herz legen. Und ich treffe meine Jungs hier. Viele kenne ich vom Fußball bei Monaco Calcio, das ist ein Verein einer Hobby MEliga.

Lenbachhaus

Nach dem Mittagessen drehen wir mit Paul eine Runde über den imposanten Königsplatz, um in sein Lieblingsmuseum zu gelangen: das , seit seiner Wiedereröffnung 2013 architektonisch definitiv eines der aufregendsten Ausstellungsgebäude der bayerischen Metropole. Paul steuert sofort zielstrebig auf die Installation „Wirbelwerk“ das dänischen Künstlers Ólafur Elíasson in der Eingangshalle, eine beeindruckende Spirale aus Metall und buntem Glas.

Warum hast Du gerade das Lenbachhaus ausgewählt?

Weil mich diese Installation im Atrium sehr beeindruckt. Aber dieser Ort ist generell der Wahnsinn. Ich mag den Mix aus Alt und Moderne. Das Besondere liegt für mich im Detail, etwa die Schriften der Erklärtexte. Die haben die Leute vom Designstudio Herburg Weiland gemacht, die ich sehr schätze. Sie sitzen um die Ecke von „Astral“. Ich kann das Museum jedem, der zu Besuch nach München kommt, absolut empfehlen.

Public Possessions

Nach der Tour durchs Lenbachhaus will uns Paul zeigen, wo er sich Nachschub für seine Vinylsammlung besorgt: Bei „Public Possessions“ in der Klenzestraße mitten im Glockenbachviertel. Dort steht Besitzer Marvin Schumann hinter dem Plattenteller, denn, wie es sich für ein ordentliches Musikgeschäft gehört, werden hier jeden Samstag Musik und Drinks serviert. Ein paar Minuten später kommt auch Schumanns Geschäftspartner Valentino Betz rein, auf dem Arm seine kleine Tochter, die er eben aus der Kinderkrippe abgeholt hat. Die beiden Plattenladeninhaber veröffentlichen Musik auf ihrem gleichnamigen Label und haben sich auf House, Techno und Leftfield spezialisiert.

Woher kennst Du die Jungs von „Public Possessions“?

Ich war früher eine größere Nachteule als heute und  habe mich schnell mit vielen Veranstaltern, die in München an den Fäden ziehen, angefreundet. Marvin und Valentino kenne ich aus dem Club „Erste Liga“ von ihrer Partyreihe „Tell your Taxi Driver“. Der war eine Institution in München. Mittlerweile ist er ja leider dicht. Die beiden sind aber jetzt zum Glück DJs im Club des Restaurants „Charlie“.

Was magst Du am Laden am meisten?

Ganz klar diese ästhetischen Regalreihen, in denen das Artwork der Platten so gut rüberkommt. Ich schaue hier so alle zwei Wochen rein und nehme mir ein paar Platten mit. Wenn ich mich nicht so wahnsinnig gut auskenne, sagte ich zu den beiden, dass ich ein Budget von 50 bis 60 Euro habe und bekomme dann eine gute Auswahl. Die Jungs treffen oft ins Schwarze.

 

See in der Alllacher Lohe

Nach so viel urbanem Flair will Paul mit uns in die Natur fahren und seinen liebsten Ort am Wasser zeigen: Wir verlassen die Stadt in Richtung Norden und kommen nach 30 Minuten an einem See im Münchner Vorort Allach an. Der ist so versteckt, dass ihn nicht mal viele Einheimische kennen. Um an den schönsten Teil des Ufers zu gelangen, müssen wir uns mit Paul durchs Gebüsch schlagen. Der Anblick vom tiefgrünem klarem Wasser und absoluter Stille belohnt uns nach diesem Spaziergang.

 

Wann kommst Du am liebsten an diesen besonderen Ort?

Wenn die ganze Stadt schwitzt oder nach dem Fußball bei Monaco Calcio. Dann springen wir in den See. Oder ich gehe mit meinem Kumpel Yasar und seinem Hund Wilma spazieren, denn dank ihm habe ich den See letztes Jahr überhaupt entdeckt. Besonders geil ist die Liane, die an einem Baum hängt. An der haben wir uns schon oft in den See gehangelt. Das hier ist eigentlich mein Lieblingsspot am Wasser in München. Außer der Isar natürlich. Ich mag Wasser generell. Zum Beispiel das Mittelmeer. Mit meiner Freundin Anne, die aus Frankreich kommt, und ihrer Familie fahren wir ganz oft in den Urlaub an die Côte d’Azur. Außerdem war ich schon öfters mit meinem Freund Lukas und seinem Vater zum Segeln in der Karibik.

Du bist schon ein Naturmensch, oder?

Absolut, ich brauche diesen Ausgleich. Ich bin oft bei meinem Vater am Ammersee oder meiner Mutter, die in den Bergen wohnt. Ich habe schon den Plan, in ferner Zukunft mal aufs Land zu ziehen, weil ich dort eine superschöne Kindheit hatte, behütet und naturverbunden. Falls ich mal Kinder haben sollte, würde ich ihnen das gern mitgeben. Cool wäre vielleicht mal eine Wohngemeinschaft in einem renovierten Bauernhof mit befreundeten Familien und Pärchen. Aber bis dahin wird es noch dauern.

Nage und Sauge

Mittlerweile ist es Abend geworden und wir fahren zurück in Pauls Heimatviertel, das Lehel. Zum Abschluss will er uns zum Abendessen in sein Lieblingsrestaurant „“ einladen. Die Markenzeichen dieses Lokals, in dem sich die kreative Szene trifft, sind die schummrige Beleuchtung und die abgefahrenen Zeichnungen an den Wänden. Wie immer ist es bis auf den letzten Platz besetzt. Paul bestellt sein Lieblingsgericht, „Paddies Penne“, Pasta mit Salsiccia, und schaut in der Küche bei seinem Kumpel vorbei.

Was unterscheidet das „Nage und Sauge“ von anderen Münchner Bars?

Es ist gemütlich und authentisch, besonders im Winter, wenn der Kamin flackert. Die Besucher hier, Normalos, Hipster, Djs und Gastroleute, nehmen sich nicht so ernst. Ich bin seit 2007 Stammgast und kenne die meisten in der Küche und an der Bar. Das Ambiente ist mit Sicherheit so locker, weil man nicht reservieren kann: Wer rechtzeitig kommt, kriegt immer einen Platz.

Thanks!

Wir danken Paul, dass wir seinen ansteckenden Enthusiasmus und sein Lebensgefühl einen Tag lang kennenlernen und München von seiner kreativen Seite erleben durften.

Dieses Porträt ist die zweite Episode einer monatlich erscheinenden City Guide Serie, die Freunde von Freunden zusammen mit  produziert hat. Das Konzept stellt Städte und Locations aus der persönlichen Sicht von Kreativen vor.

Hier geht es zur Übersicht aller City Guides auf Freunde von Freunden.

Fotografie: 
Interview & Text: Annette Walter